Hier ist die entscheidende Zahl. Die iranische Regierungssprecherin Fatemeh Mohajerani erklärte am 14. April, dass sich die Kriegsschäden auf etwa 229 Milliarden Euro (270 Milliarden US-Dollar) belaufen. Diese Zahl, die von der russischen Nachrichtenagentur RIA Novosti gemeldet wurde, spiegelt erhebliche Zerstörungen in der industriellen Basis des Landes wider. Die Kosten belasten die 93 Millionen Bürger Irans schwer, von denen viele nach sechs Wochen Konflikt und einer neuen US-Hafenblockade nun mit wachsender Arbeitslosigkeit und zunehmender wirtschaftlicher Unsicherheit konfrontiert sind.
Das Ausmaß der wirtschaftlichen Störung geht weit über erste Schätzungen hinaus, und ihr wahres Ausmaß entfaltet sich noch immer in den industriellen Kerngebieten Irans. Die Vereinigten Staaten leiteten eine Blockade iranischer Häfen und des Schiffsverkehrs in der Straße von Hormus ein, nachdem Friedensgespräche mit Teheran in Pakistan Anfang dieses Monats gescheitert waren. Diese Maßnahme zielt darauf ab, Irans Ölexporterlöse zu kappen, eine entscheidende Quelle staatlicher Finanzierung.
Sie soll auch verhindern, dass die Regierung eine Maut für Schiffe erhebt, die die wichtige Seeroute passieren, einen strategischen Wasserweg für globale Energielieferungen. Waren erreichen die iranischen Häfen nicht mehr, was zu sofortigen Versorgungsengpässen führt. Dies verschärft die wirtschaftliche Belastung eines Landes, das bereits mit einem gelähmten Industriesektor und einer langen Geschichte internationaler Isolation zu kämpfen hat.
Die Mobarakeh Steel Company in Isfahan, ein entscheidendes nationales Gut, stellte nach einem zweiten US-israelischen Angriff Ende März alle Operationen ein. Diese Anlage, ein Eckpfeiler der iranischen Schwerindustrie, steht nun still. Ihre Stilllegung wirkt sich nicht nur auf die Militärproduktion aus, wo Stahl ein Schlüsselmaterial für Raketen, Drohnen und Marineschiffe ist, sondern auch auf eine Vielzahl ziviler Industrien.
Stahl treibt automobile Lieferketten an, unterstützt die Herstellung von Haushaltsgeräten und ist unerlässlich für den Verpackungs- und Konservierungssektor. Er bildet auch das Rückgrat der Bauindustrie. Iran gehörte laut der World Steel Association im Jahr 2025 zu den Top 10 der Stahlproduzenten weltweit.
Das Land exportierte jährlich etwa 31,8 Millionen Tonnen. Zwischen März 2025 und Januar 2026 generierten diese Exporte Einnahmen von 860 Millionen US-Dollar (741 Millionen Euro). Der abrupte Produktionsstopp schickte Tausende von Arbeitern nach Hause.
Allein in der Stahlindustrie sind mindestens 10.000 Angestellte Tagelöhner, die mit sofortigem Einkommensverlust konfrontiert sind. Ihre zukünftige Beschäftigung bleibt höchst ungewiss. Angriffe auf große petrochemische Anlagen haben ebenfalls erhebliche Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt und die Staatseinnahmen gehabt.
Umud Shokri, Energiestratege und Senior Visiting Fellow an der George Mason University, hob die weitreichenden Schäden hervor. Angriffe trafen entscheidende Knotenpunkte in Asaluyeh, am South Pars Gasfeld, Mahshahr und Shiraz. Diese Angriffe legten zahlreiche Anlagen, die für die Produktion von Kunststoffen, Düngemitteln und anderen wichtigen Chemikalien verantwortlich sind, still.
In Mahshahr, einem Industriezentrum mit über 30.000 Beschäftigten, sehen sich viele Arbeiter nun mit plötzlichen Arbeitsplatzverlusten und Lohnkürzungen konfrontiert, so Shokri gegenüber der DW. „Der Schaden reicht weit über die Anlagen selbst hinaus und betrifft Lieferketten, Staatseinnahmen und die Lebensgrundlagen der Menschen“, erklärte er. Die Störung dieser Anlagen bedeutet einen Verlust von Exporterlösen und eine Knappheit an wesentlichen Materialien für die heimische Industrie. Hier ist die entscheidende Zahl: Die Wiederherstellung eines wichtigen Zentrums wie Mahshahr könnte selbst unter optimalen Bedingungen etwa zwei Jahre dauern, fügte Shokri hinzu.
Diese Erholung würde einen verbesserten Zugang zu ausländischer Technologie, spezialisiertem Kapital, Ersatzteilen und fortgeschrittenem technischem Fachwissen erfordern. Solche Bedingungen sind unter dem aktuellen internationalen Sanktionsregime kaum gegeben. Der wirtschaftliche Tribut geht über die direkte Zerstörung hinaus.
Es lähmt zukünftiges Wachstum. Der Markt sagt Ihnen etwas. Hören Sie zu.
Es signalisiert eine tiefe und strukturelle wirtschaftliche Kontraktion, nicht nur eine vorübergehende Störung. Irans Wirtschaft kämpft seit langem mit Problemen der Misswirtschaft, endemischer Korruption und einem komplexen Netz internationaler Sanktionen, die Investitionen und Handel behindert haben. Der anhaltende Konflikt hat diese bestehenden Schwachstellen erheblich verschärft und die Arbeiterklasse in eine erhöhte Prekarität gedrängt.
Der Gewerkschafter Ismail Abdi, ein Lehrer und Menschenrechtsaktivist, der heute im Exil in Deutschland lebt, formulierte diese Besorgnis in drastischen Worten. Er stellte fest, dass die Fortsetzung der Feindseligkeiten, seien es militärische Auseinandersetzungen oder Wirtschaftsblockaden, die größte Last auf die einfachen Bürger, insbesondere Arbeiter, Lehrer und andere Lohnempfänger, legt. „Wenn Fabriken, Werkstätten oder Dienstleistungsprojekte geschlossen oder zurückgefahren werden, sind Vertragsarbeiter, Tagelöhner und informell Beschäftigte die ersten, die leiden“, schrieb Abdi als Antwort auf eine DW-Anfrage. Dieser Prozess schwächt die Verhandlungsposition der Arbeitnehmer erheblich.
Es treibt die Löhne weiter in einen regelrechten Kollaps. Abdi selbst war mehrere Jahre inhaftiert, nachdem er die Rechte der Lehrer im Iran verteidigt hatte. Ihm wurde vor 11 Jahren „Propaganda gegen das politische System“ vorgeworfen, als er im Vorstand der Iranian Teachers' Association tätig war.
Sein Engagement für die Verteidigung von Pädagogen brachte ihn in den Fokus der Behörden. Internationaler Druck, insbesondere von globalen Gewerkschaften, sicherte schließlich seine Freilassung. Seit März 2025 setzt er sich von seinem neuen Standort in Deutschland aus für Bildungsrechte und Meinungsfreiheit ein. „In den letzten Wochen haben wir schockierende Berichte über das Leid der Arbeiterklasse unter Kriegsbedingungen im Iran erhalten“, sagte Abdi.
Er beschrieb ein allgegenwärtiges Gefühl der Unsicherheit und Verzweiflung unter der arbeitenden Bevölkerung. Arbeitsplatzverluste im Industriesektor haben bereits auf andere Wirtschaftsbereiche übergegriffen. Am 14. April entließ die Iranian Labour News Agency alle ihre Journalisten und stellte sie auf freiberufliche Verträge um.
Dieser Schritt verdeutlicht die schnelle Schrumpfung. Auch andere Unternehmen haben in verschiedenen Sektoren erhebliche Entlassungen vorgenommen. Der digitale Dienstleistungssektor, einst eine Quelle für neue Arbeitsplätze und Innovationen, sieht sich nun starkem Gegenwind ausgesetzt.
Snapp, eine Ride-Hailing-Plattform, die oft als das „iranische Uber“ beschrieben wird, ist ein Beispiel dafür. Die Behörden verhängten zu Beginn des Krieges Internetbeschränkungen, um potenzielle Proteste zu verhindern und den Informationsfluss zu kontrollieren. Diese Einschränkungen behindern die Geschäftstätigkeit vieler digitaler Unternehmen und Freiberufler erheblich.
Weniger Menschen sind unterwegs, und viele können sich diese Dienste einfach nicht mehr leisten, was die Nachfrage weiter schrumpfen lässt. „Allein aufgrund der Internetbeschränkungen haben Tausende von Freiberuflern, Programmierern und Content-Produzenten ihre Arbeitsfähigkeit verloren“, erklärte Abdi. „Sie werden nun zurück in den traditionellen, bereits fragilen Arbeitsmarkt gedrängt.“ Diese Situation führt kurzfristig zu sinkenden Realeinkommen und wachsender Armut unter den Arbeitnehmern. Langfristig, warnte Abdi, bestehe das Risiko, dass eine ausgebeutete, weniger qualifizierte und abhängigere Gesellschaft entsteht, eine gesellschaftliche Verschiebung, deren Umkehrung Generationen dauern könnte. Entfernt man das Rauschen, ist die Geschichte einfacher, als sie aussieht.
Es geht um Menschenleben und Existenzen, die in einem geopolitischen Kampf gefangen sind. Der menschliche Tribut des Konflikts ist bereits erheblich. Vom Kriegsausbruch am 28. Februar bis zum 8. April, als ein fragiler Waffenstillstand vereinbart wurde, wurden laut der in den USA ansässigen Menschenrechtsorganisation HRANA 3.636 Menschen im Iran getötet.
Von diesen Todesopfern waren 1.701 Zivilisten. Diese Zahl umfasst mindestens 254 Kinder, eine deutliche Erinnerung an das Ausmaß des Konflikts. Abdi hat seine Hoffnung auf politischen Wandel im Iran nicht aufgegeben.
Er betonte jedoch, dass der Krieg in erster Linie die zunehmende Armut und die Unsicherheit für die am stärksten benachteiligten Bevölkerungsgruppen schürt. „Dieser Krieg muss beendet werden, bevor seine menschlichen und sozialen Kosten irreversibel werden“, drängte er, seine Stimme spiegelte Jahre des Engagements wider. Der iranischen Bevölkerung scheint wenig Aufmerksamkeit geschenkt zu werden, weder von der Führung der Islamischen Republik, die den Machterhalt priorisiert, noch vom US-Präsidenten, trotz früherer Unterstützungszusagen. Für Nationen außerhalb der unmittelbaren Konfliktzone, insbesondere jene im Globalen Süden, die auf stabile Energiemärkte oder Handelsrouten angewiesen sind, bietet die Situation im Iran eine deutliche Lektion in wirtschaftlicher Anfälligkeit.
Die Blockade in der Straße von Hormus, einem Engpass für einen erheblichen Teil der weltweiten Ölversorgung – geschätzt 20% des globalen Verbrauchs – zeigt, wie lokale Konflikte den internationalen Handel beeinflussen können. Der Markt reagiert auf wahrgenommene Instabilität. Dies beeinflusst die Prämien für Schiffsversicherungen und die Rohstoffpreise weltweit.
Die Störung der iranischen Stahl- und petrochemischen Industrien entfernt auch einen bedeutenden Produzenten aus den globalen Lieferketten. Dies könnte zu Preiserhöhungen für verschiedene Güter führen, die auf diese Grundmaterialien angewiesen sind, von Autoteilen bis zu Kunststoffverpackungen. Je länger dieser Konflikt andauert, desto stärker verfestigen sich diese Störungen und hinterlassen dauerhafte wirtschaftliche Narben, die nicht nur für den Iran, sondern auch für seine Handelspartner schwer zu heilen sein werden.
Diese Situation ist wichtig, weil sie den direkten Zusammenhang zwischen geopolitischen Spannungen und dem täglichen Leben von Millionen Menschen verdeutlicht. Jenseits der makroökonomischen Zahlen und strategischen Berechnungen äußert sich der Konflikt in leeren Fabrikhallen, verlorenen Löhnen und Familien, die darum kämpfen, Grundbedürfnisse zu decken. Für die globalen Märkte fügt es eine weitere Unsicherheitsebene zu den Energiepreisen und der Stabilität der Lieferketten hinzu, was potenziell zu inflationärem Druck an anderer Stelle beitragen könnte.
Für die Menschen im Iran bedeutet es eine Zukunft, die von zunehmender wirtschaftlicher Not und der Erosion sozialer Sicherungssysteme geprägt ist, eine Realität, die weitere interne Instabilität und Migration anheizen könnte. Die internationale Gemeinschaft schaut zu, aber eine direkte Intervention bleibt schwer fassbar. - Iran steht laut Regierungssprecherin Fatemeh Mohajerani vor geschätzten 229 Milliarden Euro (270 Milliarden US-Dollar) Kriegsschäden. - Eine US-Blockade iranischer Häfen in der Straße von Hormus schränkt nun Ölexporte und Warenimporte ein und verschärft die wirtschaftliche Belastung. - Wichtige Industrieanlagen, darunter Mobarakeh Steel und große petrochemische Anlagen, haben den Betrieb eingestellt, was zu weitreichenden Arbeitsplatzverlusten für Tausende führte. - Die menschlichen Verluste umfassen 3.636 Tote, davon 1.701 Zivilisten und mindestens 254 Kinder, zwischen dem 28. Februar und dem 8. April, wie von HRANA berichtet. Die unmittelbare Zukunft hängt von der Wirksamkeit der US-Blockade und möglichen diplomatischen Öffnungen nach den gescheiterten Friedensgesprächen ab.
Beobachter werden die Ölpreise und die Schifffahrtsaktivitäten in der Straße von Hormus auf Anzeichen einer Eskalation oder Deeskalation überwachen, die den regionalen Handel weiter destabilisieren könnten. Die Reaktion der iranischen Regierung auf die wachsende wirtschaftliche Not und die öffentliche Unzufriedenheit wird ebenfalls entscheidend sein, da der interne Druck zunimmt. Umud Shokris Einschätzung deutet darauf hin, dass selbst bei Einstellung der Feindseligkeiten die Wiederherstellung der industriellen Kapazität Irans Jahre und erhebliche internationale Zusammenarbeit erfordern wird – eine Aussicht, die durch das bestehende Sanktionsregime erschwert wird.
Die Widerstandsfähigkeit des iranischen Volkes wird weiter auf die Probe gestellt, da sich die wirtschaftlichen Folgen verschärfen und die langfristigen gesellschaftlichen Auswirkungen erst allmählich sichtbar werden.
Wichtigste Erkenntnisse
— - Iran steht laut Regierungssprecherin Fatemeh Mohajerani vor geschätzten 229 Milliarden Euro (270 Milliarden US-Dollar) Kriegsschäden.
— - Eine US-Blockade iranischer Häfen in der Straße von Hormus schränkt nun Ölexporte und Warenimporte ein und verschärft die wirtschaftliche Belastung.
— - Wichtige Industrieanlagen, darunter Mobarakeh Steel und große petrochemische Anlagen, haben den Betrieb eingestellt, was zu weitreichenden Arbeitsplatzverlusten für Tausende führte.
— - Der Gewerkschafter Ismail Abdi warnt vor kollabierenden Löhnen, zunehmender Armut und der Entstehung einer weniger qualifizierten, abhängigeren Gesellschaft im Iran.
— - Die menschlichen Verluste umfassen 3.636 Tote, davon 1.701 Zivilisten und mindestens 254 Kinder, zwischen dem 28. Februar und dem 8. April, wie von HRANA berichtet.
Quelle: DW
