Bundeskanzler Friedrich Merz und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj schlossen am Dienstag, den 14. April 2026, in Berlin umfassende Regierungskonsultationen ab und festigten dabei ein gemeinsames Abkommen zur Drohnenproduktion. Merz betonte laut Äußerungen auf einer Pressekonferenz, dass Europa direkt an zukünftigen Friedensverhandlungen zwischen der Ukraine und Russland teilnehmen müsse. Der Besuch unterstrich Deutschlands Engagement als Hauptunterstützer der Ukraine nach jüngsten Verschiebungen in der internationalen Hilfe.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj traf mit seinem Kabinett zu den ersten vollständigen deutsch-ukrainischen Regierungskonsultationen seit zwei Jahrzehnten in Berlin ein und landete mit fünf Hubschraubern hinter dem Kanzleramt. Der hochrangige Besuch, der aus Sicherheitsgründen bis kurz vor Beginn geheim gehalten worden war, sah Polizisten auf den Dächern des gesamten Regierungsviertels postiert. Straßensperrungen seit Montag hatten bereits auf die Ankunft eines bedeutenden Würdenträgers hingedeutet.
Solche Maßnahmen sind typischerweise nur wenigen internationalen Persönlichkeiten vorbehalten. Präsident Selenskyj gilt als einer der gefährdetsten Staatschefs der Welt. Kanzler Merz unterstrich Deutschlands Engagement für die Ukraine und bezeichnete deren Verteidigung als Berlins oberste außenpolitische Priorität.
Er betonte, dass Europa bei jeder Friedensregelung mit Russland am Tisch sitzen müsse. „Kein Abkommen könnte über die Köpfe der Europäer hinweg geschlossen werden“, erklärte Merz in Berlin und bekräftigte Deutschlands fortgesetzte Rolle als Kiews größter Unterstützer. Diese Position steht im Gegensatz zu zuvor ins Stocken geratenen, von den USA vermittelten Gesprächen. Die Ukraine stimmte der europäischen Beteiligung zu.
Präsident Selenskyj warf Russland vor, Friedensbemühungen absichtlich zu verzögern. Über diplomatische Erklärungen hinaus wurden konkrete Vereinbarungen getroffen. Deutschland und die Ukraine unterzeichneten mehrere Kooperationsabkommen in den Bereichen Verteidigung und Wiederaufbau.
Ein wesentliches Element dieser Gespräche konzentrierte sich auf Drohnentechnologie. Auf der großen Eingangstreppe des Kanzleramtes präsentierten deutsche und ukrainische Verteidigungsunternehmen verschiedene Drohnenmodelle. Beide Staatschefs inspizierten sie kurz.
Die Ukraine hat ihre Drohnenfähigkeiten seit Februar 2022 erheblich weiterentwickelt. Die Bundeswehr plant, ihre eigene Drohnenflotte zu erweitern. Die Zusammenarbeit mit Kiew stellt für Berlin eine logische Weiterentwicklung dar.
Nach den vorgeschlagenen Plänen könnten deutsche Unternehmen Drohnen nach ukrainischem Design in Lizenz herstellen und an die Ukraine liefern. Ukrainische Experten würden ihre Kampferfahrung in den Prozess einbringen. Eine gemeinsame Drohnenproduktionsstätte unter Beteiligung des deutschen Rüstungsunternehmens Rheinmetall wird bereits in der Ukraine errichtet.
Kanzler Merz erklärte, dass eine enge Zusammenarbeit mit der Ukraine Deutschlands eigener Sicherheit zugutekommt. „Wir profitieren von der Widerstandsfähigkeit der ukrainischen Armee“, sagte er. Merz bekräftigte, dass Russland keine Möglichkeit habe, den andauernden Konflikt zu gewinnen. Die Gespräche berührten auch die Bestrebungen der Ukraine nach einer Mitgliedschaft in der Europäischen Union.
Kanzler Merz bekräftigte Deutschlands Unterstützung für dieses Ziel und nannte es einen „strategisch wichtigen Schritt für mehr Sicherheit und größeren Wohlstand in Europa“. Er räumte jedoch ein, dass ein Beitritt „nicht so bald“ erfolgen werde. Merz forderte Präsident Selenskyj auf, weiterhin Reformen zur Korruptionsbekämpfung und zur Stärkung demokratischer Institutionen voranzutreiben. „Es lohnt sich“, kommentierte Merz. Selenskyj seinerseits lehnte jede Vorstellung einer „EU-light“- oder „NATO-light“-Mitgliedschaft ab und strebt eine vollständige Partnerschaft an. Eine entscheidende finanzielle Lebensader für die Ukraine rückte ebenfalls näher.
Merz erklärte, dass Berlin aktiv daran arbeite, eine zugesagte EU-Kreditlinie von 90 Milliarden Euro (ca. 106 Milliarden US-Dollar) für die Ukraine freizuschalten. Diese Entwicklung folgt der Wahlniederlage des ungarischen Premierministers Viktor Orban, dessen Regierung zuvor weitere Zahlungen blockiert hatte. Präsident Selenskyj äußerte sich zuversichtlich, dass die Europäische Union das Darlehen bald auszahlen werde.
Eine Einigung könnte auf dem informellen EU-Gipfel nächste Woche in Zypern erzielt werden, bemerkte er. Kiew erwartet, etwa zwei Drittel dieses Kredits direkt seinen Streitkräften zuzuweisen. Diese Mittel würden deren Kampfbereitschaft bis mindestens 2027 aufrechterhalten.
Ein weiterer Diskussionspunkt betraf ukrainische Flüchtlinge in Deutschland. Kanzler Merz äußerte Bedenken hinsichtlich der Anzahl ukrainischer Männer im Alter von 18 bis 25 Jahren, die in Deutschland ankommen und sich als Flüchtlinge registrieren. Diese Männer unterliegen in der Ukraine der Wehrpflicht.
Er argumentierte, dass die Ukraine ein Interesse daran habe, diese Personen für ihr Militär zu behalten. Die Ukraine habe versprochen, das Problem anzugehen, doch die Fortschritte seien laut Merz begrenzt. Ukrainische Männer ab 25 Jahren unterliegen seit letztem September einer Einberufung.
Tausende unter 25 Jahren haben die Ukraine seither verlassen, viele sind in Berlin angekommen. Ukrainer, die vor dem Konflikt fliehen, erhalten in Deutschland Sozialleistungen und Unterkünfte ähnlich wie andere Asylsuchende. Es ist ihnen auch gestattet, sofort eine Beschäftigung aufzunehmen.
Dies unterscheidet sich von anderen Asylsuchenden, die oft Wartezeiten von mehreren Monaten haben, bevor sie arbeiten dürfen. Unweit des Kanzleramtes wirbt die Bundeswehr um neue Rekruten. Deutschland hat keine Wehrpflicht, doch Politiker streben eine Stärkung der Verteidigungsfähigkeiten an.
Dies geschieht nach Russlands umfassender Invasion der Ukraine. Die Verteidigungsfähigkeiten des Landes müssen gestärkt werden. – Deutschland und die Ukraine unterzeichneten Abkommen über die gemeinsame Drohnenproduktion und digitale Schlachtfeldtechnologie. – Bundeskanzler Merz betonte die direkte Rolle Europas bei zukünftigen Friedensgesprächen mit Russland. – Ein EU-Darlehen von 90 Milliarden Euro für die Ukraine scheint nach einer Verschiebung in der ungarischen Politik näher an der Auszahlung zu sein. – Merz forderte die Ukraine auf, Anti-Korruptions- und demokratische Reformen als Teil ihres EU-Weges fortzusetzen. Dieser Besuch und die daraus resultierenden Abkommen haben erhebliche Bedeutung für die langfristige Sicherheit der Ukraine und ihre Beziehung zu Europa.
Die Drohnenkooperation zielt darauf ab, die Verteidigungsfähigkeiten der Ukraine direkt zu stärken und gleichzeitig den deutschen militärisch-industriellen Komplex durch den Austausch von Fachwissen zu fördern. Die potenzielle Freigabe des EU-Darlehens von 90 Milliarden Euro würde entscheidende finanzielle Stabilität bieten und es der Ukraine ermöglichen, ihre militärischen Anstrengungen aufrechtzuerhalten und die Infrastruktur wiederaufzubauen. Darüber hinaus signalisiert Deutschlands Beharren auf Europas Rolle bei Friedensgesprächen den Wunsch nach einer einheitlicheren und selbstbewussteren europäischen Außenpolitik in Bezug auf den Konflikt.
Die Diskussionen um die Flüchtlingspolitik beleuchten auch die komplexen sozialen und demografischen Herausforderungen, denen sich beide Nationen gegenübersehen. Achten Sie auf die Entwicklungen beim informellen EU-Gipfel nächste Woche in Zypern, wo die Auszahlung des 90-Milliarden-Euro-Darlehens finalisiert werden könnte. Weitere Details zum Zeitplan der gemeinsamen Drohnenproduktion und spezifischen Modellen werden ebenfalls in den kommenden Monaten erwartet.
Die Wirksamkeit der von der Ukraine zugesagten Bemühungen, wehrpflichtige Männer am Verlassen des Landes zu hindern, wird ebenfalls ein wichtiger Indikator für interne politische Anpassungen sein.
Wichtige Erkenntnisse
— - Deutschland und die Ukraine unterzeichneten Abkommen über die gemeinsame Drohnenproduktion und digitale Schlachtfeldtechnologie.
— - Bundeskanzler Merz betonte die direkte Rolle Europas bei zukünftigen Friedensgesprächen mit Russland.
— - Ein EU-Darlehen von 90 Milliarden Euro für die Ukraine scheint nach einer Verschiebung in der ungarischen Politik näher an der Auszahlung zu sein.
— - Merz forderte die Ukraine auf, Anti-Korruptions- und demokratische Reformen als Teil ihres EU-Weges fortzusetzen.
Quelle: DW
