Ein drei Jahrzehnte altes Rätsel um ein World Open Schachturnier 1993 in Philadelphia ist gelöst. Die professionellen Glücksspieler Rob Reitzen und John Wayne inszenierten die Täuschung, indem sie einen versteckten Computer nutzten, um Wayne zu leiten, der unter dem Alias 'John von Neumann' antrat. Dieser Vorfall, der in Kit Chellels Buch 'Lucky Devils' detailliert beschrieben wird, markiert einen frühen, ausgeklügelten Versuch, Technologie in den Wettkampf zu integrieren und die Integrität von Mensch-gegen-Mensch-Wettbewerben in Frage zu stellen. Der Markt sagt Ihnen etwas. Hören Sie zu.
Bevor der 'John von Neumann'-Vorfall die Schachwelt in seinen Bann zog, hatten sich Rob Reitzen und John Wayne in einer anderen Arena einen Namen gemacht: dem Glücksspiel mit hohen Einsätzen. Ihre Expertise lag darin, mathematische Wahrscheinlichkeiten durch maßgeschneiderte elektronische Geräte auszunutzen. Reitzen, von Chellel als Legastheniker-Savant beschrieben, entwickelte kompakte Prozessoren, die ungefähr die Größe eines Kartenspiels hatten.
Diese Geräte waren ursprünglich dazu konzipiert, Permutationen bei Blackjack- und Pokerspielen zu berechnen. Wayne, ein Ex-Soldat, bekannt als 'der Duke', kümmerte sich um die operative Seite und setzte diese versteckten Geräte oft in Casino-Umgebungen ein. Ihre Methoden bewegten sich oft am Rande der legalen Definitionen von Betrug, lieferten aber laut Chellels Interviews mit den beteiligten Spielern stets Gewinne.
Im Juni 1993 beschloss das Duo, seinen technologischen Vorsprung auf das Schachspiel anzuwenden. Sie flogen von Los Angeles nach Philadelphia, ihr Gepäck verbarg eine Reihe von Computerausrüstung, Schaltern, Kabeln und Buzzern. Ihr Plan war kühn.
Wayne sollte unter falscher Identität am World Open, einem großen Turnier, teilnehmen. Reitzen würde in einem Hotelzimmer bleiben, maßgeschneiderte Schachsoftware bedienen und Züge weitergeben. Dies war eine neue Herausforderung für ihr System.
Bei der Ankunft nahm Wayne die Persona 'John von Neumann' an, eine Anspielung auf den renommierten Mathematiker und Informatiker. Die Turnieroffiziellen hinterfragten den Namen. Wayne nickte und sicherte sich so seinen Platz in der Auslosung.
Er verkabelte sich mit einem modifizierten Blackjack-Prozessor, der mit Reitzens Hotelzimmer-Setup kommunizierte. Versteckte Zehenschalter in seinen Schuhen sollten Ólafssons Züge übermitteln. Eine vibrierende Box in seinem Schritt würde dann Reitzens computergenerierte Antworten signalisieren.
Es musste fehlerfrei sein. In der zweiten Runde traf 'Von Neumann' auf den isländischen Großmeister Helgi Ólafsson, ein ehemaliges Wunderkind. Das Spiel verlief langsam.
Wayne hob und senkte seine Zehen akribisch, um Ólafssons Züge zu signalisieren. Dann wartete er auf die Rückmeldung durch Vibration. Dieser Vorgang dauerte weitaus länger als erwartet und führte zu unangenehmen Pausen am Brett. Ólafsson, sichtlich irritiert vom ungewöhnlichen Stil seines Gegners, machte einen Fehler.
Die Maschine verlor jedoch einige Züge später ihr Funksignal. Wayne wartete auf eine Vibration, die nie kam. Er war auf sich allein gestellt.
Er spielte den Rest der Partie selbst und sicherte sich schließlich ein Remis. Dies war eine bemerkenswerte Überraschung. Ólafssons damalige Reaktion spiegelte seine Verwirrung wider. Er sagte Journalisten, er glaube, er spiele gegen einen 'kompletten Patzer', der 'keine Ahnung vom Spiel' habe. Ólafsson spekulierte sogar, sein Gegner könnte 'unter Drogen gestanden' haben, da er für offensichtliche Züge übermäßig viel Zeit benötigte.
Jahre später, als Chellel ihn kontaktierte, erinnerte sich Ólafsson an die Partie und beschrieb sie als 'eher unbeholfenen Betrugsversuch'. Er äußerte die Hoffnung, dass die Beteiligten 'sinnvollere Wege gefunden haben, ihre Talente zu entfalten'. Dieses Zitat gewährt einen Einblick in die bleibende Perspektive des Großmeisters.
Reitzen feierte das Remis trotz der technischen Pannen. Er sah es als Sieg gegen das Schach-Establishment. In den folgenden Runden versagte die Kommunikationsverbindung erneut, was dazu führte, dass Wayne zwei Partien wegen Zeitüberschreitung verlor.
Zwischen den Partien zeigte Wayne ein eigenartiges Verhalten, indem er 500 US-Dollar für Blitzschachpartien ohne Uhr, drei Minuten pro Zug, anbot. Es gab keine Abnehmer. Er gewann weiterhin einige Partien, verlor andere durch Zeitüberschreitung und zog die wachsende Aufmerksamkeit von Zuschauern und Turnierorganisatoren auf sich.
Alle fragten sich über den mysteriösen Rastafari. Ein Turnierorganisator konfrontierte Wayne schließlich und forderte aufgrund von Beschwerden über sein Spiel eine Identifizierung. Wayne legte keinen Ausweis vor.
Als er gebeten wurde, sich dem Turnierdirektor zu erklären, behauptete er, seine 'Frau bekomme ein Baby', und verließ umgehend den Raum. Reitzen, zurück im Hotelzimmer, drängte ihn zur Rückkehr, aber die Organisatoren waren nun zu misstrauisch. Sie bestanden darauf, dass Wayne eine weitere Partie ohne Hilfe spielte.
Wayne weigerte sich, beschuldigte sie des Rassismus und stürmte davon. Die kurze, unkonventionelle Schachkarriere von John von Neumann dem Zweiten endete abrupt. Reitzen war jedoch zufrieden.
Er hatte, wie er es ausdrückte, dem Schach-Establishment den Mittelfinger gezeigt. Der Vorfall, als 'The Von Neumann Affair' bezeichnet, erhielt wenige Wochen später die Schlagzeilen im Inside Chess Magazin. Die Publikation vermutete korrekt, dass Wayne ferngesteuerte Computerhilfe erhielt, obwohl sie fälschlicherweise annahm, Kopfhörer seien die Übertragungsmethode gewesen.
Die Turnierorganisatoren bestätigten, dass einem Teilnehmer aufgrund angeblichen Betrugs das Preisgeld verweigert wurde, hielten die Identitäten jedoch geheim. Die Rollen von Reitzen und Wayne blieben jahrzehntelang unentdeckt. Reitzen entwickelte später frühe Poker-Bots und erhielt einen Platz in der Blackjack Hall of Fame.
Wayne starb 2018 an Krebs. Entfernt man das Rauschen, ist die Geschichte einfacher, als sie aussieht: ein technologischer Vorsprung, mit Finesse angewandt. 1993 steckte die Landschaft der Schach-KI noch in den Kinderschuhen.
Vier Jahre zuvor hatte Garri Kasparow eine frühe Version von IBMs Deep Blue entscheidend besiegt und die Fähigkeiten seines elektronischen Rivalen als vernachlässigbar abgetan. 'Ich war verwirrt, weil es keinen Widerstand gab', erklärte Kasparow. Das vorherrschende Gefühl unter den Menschen war das der intellektuellen Überlegenheit über Maschinen. Reitzens Team, zu dem ein am MIT ausgebildeter Programmierer und ein Mathematikprofessor gehörten, glaubte, einen deutlichen Vorteil gegenüber bestehender Schachsoftware zu besitzen.
Poker, ihr Hauptgebiet, wies aufgrund seiner Elemente der Unsicherheit, des Bluffens und einer astronomischen Anzahl von Variationen weitaus größere rechnerische Komplexitäten auf. Schach bot im Vergleich dazu ein stärker eingeschränktes, lösbares Problem für eine Maschine. Das World Open diente als ernsthafter Test für Reitzens selbst entwickelte Schachsoftware und verschob die Grenzen dessen, was ein versteckter Computer in einem Live-Wettkampf erreichen konnte.
Hier ist die Zahl, die zählt: null. So oft hatte ein Computer vor diesem Vorfall einen Großmeister in einem Wettkampf wirklich herausgefordert. Dieser Vorfall hat eine größere Bedeutung für die sich entwickelnde Beziehung zwischen Technologie und Wettbewerb.
Er stellt einen der frühesten dokumentierten Fälle von ausgeklügeltem computergestütztem Betrug im Schach dar, noch vor der weiten Verbreitung leistungsstarker, tragbarer Computergeräte. Die 'Von Neumann Affäre' nahm eine Zukunft vorweg, in der die Grenze zwischen menschlichem Können und technologischer Erweiterung erheblich verschwimmen würde, was fortlaufende Herausforderungen für die Integrität von Wettkampfspielen in verschiedenen Disziplinen mit sich bringt. Sie zeigte, wie weit Einzelpersonen gehen würden, um einen Vorteil zu erlangen, selbst wenn es nur 'aus Jux und Tollerei' war, wie Reitzen behauptete.
Die Episode verdeutlichte die Schwachstellen der traditionellen Turnieraufsicht in einer Ära, in der sich die Technologie rasch über den Rahmen bestehender Erkennungsmethoden hinaus entwickelte. Es war ein Weckruf für die Organisatoren. - Das Rätsel um den Schachbetrug von 'John von Neumann' aus dem Jahr 1993 ist gelöst und identifiziert die professionellen Glücksspieler Rob Reitzen und John Wayne als die Täter. - Sie nutzten ein verstecktes Computersystem mit Zehenschaltern und vibrierenden Buzzern, um Wayne während des World Open Turniers zu leiten. - Großmeister Helgi Ólafsson spielte Remis gegen 'Von Neumann', beschrieb das Spiel seines Gegners jedoch als 'unbeholfen' und 'sehr seltsam'. - Der Vorfall, ein frühes Beispiel für High-Tech-Betrug, ging der fortgeschrittenen Schach-KI voraus und warf erste Fragen zur Integrität des Wettbewerbs auf. Die Enthüllung von Reitzens und Waynes Methoden liefert eine historische Fußnote zum andauernden Kampf gegen technologischen Betrug im Sport und bei Spielen.
Während die künstliche Intelligenz ihre rasche Entwicklung fortsetzt, stehen Wettkampforganisationen vor der immer größer werdenden Herausforderung, Fair Play aufrechtzuerhalten. Zukünftige Vorfälle werden wahrscheinlich subtilere und ausgeklügeltere Methoden beinhalten. Zuschauer und Teilnehmer gleichermaßen müssen wachsam bleiben.
Der Markt ist ständig innovativ. Regulierungsbehörden müssen Schritt halten. Die nächste Grenze in der Integrität des Wettbewerbs wird eine ständige Anpassung von Organisatoren, Spielern und Technologieentwicklern gleichermaßen erfordern.
Das ist die neue Realität.
Wichtige Erkenntnisse
— - Das Rätsel um den Schachbetrug von 'John von Neumann' aus dem Jahr 1993 ist gelöst und identifiziert die professionellen Glücksspieler Rob Reitzen und John Wayne als die Täter.
— - Sie nutzten ein verstecktes Computersystem mit Zehenschaltern und vibrierenden Buzzern, um Wayne während des World Open Turniers zu leiten.
— - Großmeister Helgi Ólafsson spielte Remis gegen 'Von Neumann', beschrieb das Spiel seines Gegners jedoch als 'unbeholfen' und 'sehr seltsam'.
— - Der Vorfall, ein frühes Beispiel für High-Tech-Betrug, ging der fortgeschrittenen Schach-KI voraus und warf erste Fragen zur Integrität des Wettbewerbs auf.
Quelle: Wired (via Kit Chellel's 'Lucky Devils')
