Die Familie von Marwan Barghouti, einem prominenten palästinensischen Führer, der in Israel inhaftiert ist, behauptet, er habe im letzten Monat mehrere körperliche Übergriffe durch Gefängniswärter erlitten. Sein Sohn, Arab Barghouti, äußerte sich gegenüber der BBC schockiert und verwies auf Berichte des israelischen Anwalts der Familie, Ben Marmarelli, die drei separate Vorfälle detaillieren. Diese Behauptung kommt inmitten umfassenderer Anschuldigungen über eine Eskalation der Misshandlungen palästinensischer Gefangener seit Oktober 2023 auf.
Ben Marmarelli, der israelische Anwalt von Marwan Barghouti, besuchte seinen Mandanten am Sonntag im Ganot-Gefängnis. Anschließend beschrieb er auf der Social-Media-Plattform X eine Reihe körperlicher Auseinandersetzungen. Marmarelli schrieb, dass etwa drei Wochen zuvor Wärter des Megiddo-Gefängnisses Barghoutis Zelle betraten und ihn mit einem Wachhund angriffen.
Dieser Bericht schildert eine verstörende Szene. Er sei dann Berichten zufolge während seiner Verlegung in eine andere israelische Justizvollzugsanstalt erneut geschlagen worden. Vor einer Woche meldete Marmarelli eine weitere schwere Misshandlung im Ganot-Gefängnis.
Barghouti sei laut dem Anwalt mehr als zwei Stunden lang blutend zurückgelassen worden. Er habe medizinische Versorgung angefordert. Die Behandlung sei verweigert worden, so Marmarelli.
Diese spezifischen Anschuldigungen beschreiben ein Muster mutmaßlicher Gewaltanwendung. Der israelische Gefängnisdienst (IPS) hat diese Behauptungen zurückgewiesen. Sie bezeichnen die Anschuldigungen als „falsch und unbegründet“.
Arab Barghouti äußerte sich gegenüber der BBC zutiefst besorgt. Er erklärte, er sei „schockiert und entsetzt“ über den Bericht des Anwalts seines Vaters. Er argumentierte, dass die bedeutende öffentliche Stellung seines Vaters ihn zu einem Ziel für eine solche Behandlung mache. „Er ist jemand, der Hoffnung auf Einheit, auf demokratische Erneuerung, auf eine bessere Zukunft für das palästinensische Volk repräsentiert“, sagte Arab Barghouti. „Er ist ein Ziel, weil er dem palästinensischen Volk Hoffnung gibt.“ Diese Perspektive deutet auf eine politische Motivation hinter den mutmaßlichen Handlungen hin.
Hier ist die Zahl, die zählt: 9.560. Das ist die aktuelle Zahl der in israelischen Gefängnissen festgehaltenen Palästinenser, die laut IPS-Angaben als Sicherheitsgefangene eingestuft werden. Darunter befinden sich mehr als 3.500 Personen in Verwaltungshaft, die ohne Gerichtsverfahren oder formelle Anklage festgehalten werden.
Diese Zahl stellt einen bemerkenswerten Anstieg der Gefängnisinsassen dar. Solche Zahlen unterstreichen den breiteren Kontext des israelisch-palästinensischen Konflikts. Marwan Barghouti, heute 66 Jahre alt, hat genau 24 Jahre in israelischer Haft verbracht.
Er wurde auf dem Höhepunkt der zweiten palästinensischen Intifada, eines Aufstands, verhaftet. Von einem israelischen Gericht wegen der Planung tödlicher Angriffe auf israelische Zivilisten verurteilt, verbüßt er fünf lebenslange Haftstrafen plus 40 Jahre. Vor seiner Verhaftung gründete er die Tanzim, einen bewaffneten Flügel der politischen Fatah-Fraktion.
Seine lange Haft hat seinen politischen Einfluss nicht geschmälert. Meinungsumfragen zeigen durchweg, dass Barghouti trotz seiner Inhaftierung der populärste palästinensische Führer bleibt. Er hat immer noch eine Position im Zentralkomitee der Fatah inne.
Viele Palästinenser sehen ihn als ihr Äquivalent zu Südafrikas Nelson Mandela. Sie verweisen auf seine wahrgenommene Fähigkeit, verschiedene politische Fraktionen zu vereinen. Sein früheres Einvernehmen mit israelischen Führern wird ebenfalls häufig zitiert.
Entfernt man das Rauschen, ist die Geschichte einfacher, als sie aussieht: Barghouti ist ein Symbol. Sein Bild hat in der palästinensischen Gesellschaft erhebliches Gewicht. Die Vorwürfe von Misshandlungen palästinensischer Gefangener sind seit den von der Hamas geführten Angriffen auf Israel am 7. Oktober 2023, die den Gaza-Krieg auslösten, stark angestiegen.
Organisationen der Vereinten Nationen und israelische Menschenrechtsgruppen haben einen Anstieg dieser Behauptungen gemeldet. Dazu gehören routinemäßige Schläge, Vorwürfe sexueller Gewalt, Hunger und schwere medizinische Fahrlässigkeit. Dutzende Palästinenser sollen in diesem Zeitraum in Haft gestorben sein.
Diese Berichte zeichnen ein verstörendes Bild. Menschenrechtsgruppen führen diesen Anstieg der Misshandlungsvorwürfe auf eine etablierte israelische Politik zurück. Sie heben Äußerungen bestimmter israelischer Beamter hervor.
Der rechtsextreme Minister für Nationale Sicherheit, Itamar Ben-Gvir, hat offen härtere Bedingungen für Gefangene gefordert. Der Ausschuss der Vereinten Nationen gegen Folter äußerte im vergangenen Jahr tiefe Besorgnis. Er zitierte Berichte, die auf eine „De-facto-Staatspolitik der organisierten und weit verbreiteten Folter und Misshandlung“ palästinensischer Häftlinge in israelischen Gefängnissen hindeuten.
Der IPS bestreitet Behauptungen systematischer Misshandlungen. Sie geben an, dass Vorfälle individuellen Fehlverhaltens untersucht werden. Im September entschied Israels Oberster Gerichtshof, dass israelische Gefängnisse palästinensischen Insassen nicht ausreichend Nahrung zur Verfügung stellten.
Das Gericht ordnete Verbesserungen dieser Bedingungen an. Diese gerichtliche Intervention bestätigt systemische Probleme innerhalb des Gefängnissystems. Marwan Barghouti selbst soll in den letzten zweieinhalb Jahren in Einzelhaft gehalten worden sein.
Seine Familie hat zuvor schwere Misshandlungen durch israelische Wärter gemeldet. Bei einer Gelegenheit soll er vier gebrochene Rippen und Kopfverletzungen erlitten haben. Dies sind schwerwiegende Anschuldigungen.
Letztes Jahr teilte Minister Ben-Gvir einen kurzen Clip in den sozialen Medien. Es zeigte ihn, wie er Marwan Barghouti in seiner Zelle konfrontierte. Dies war das erste Mal seit Jahren, dass der berühmte Gefangene öffentlich gesehen wurde.
Er wirkte in dem Video gealtert und abgemagert. Solche öffentlichen Darstellungen, gepaart mit Forderungen nach härteren Bedingungen, deuten auf eine bewusste Strategie hin.
Arab Barghouti äußerte seine Empörung darüber, dass westliche Führer sich nicht gegen die von ihm als „ekelhaft“ bezeichnete Behandlung der Gefangenen ausgesprochen haben. Er glaubt, dass dieses Schweigen zur „Entmenschlichung der Palästinenser“ beiträgt.
Warum es wichtig ist: Die Anschuldigungen bezüglich der Behandlung von Marwan Barghouti gehen über eine einzelne Person hinaus. Sie berühren die Kernfragen der Menschenrechte, des Völkerrechts und des umfassenderen israelisch-palästinensischen Konflikts. Barghoutis Status als potenzieller zukünftiger Führer bedeutet, dass jede wahrgenommene Misshandlung weitere Spannungen entfachen könnte.
Es beeinflusst auch, wie die internationale Gemeinschaft Israels Einhaltung rechtlicher Normen wahrnimmt. Für viele Palästinenser symbolisiert sein Wohlergehen die kollektive Erfahrung derer, die in israelischen Gefängnissen festgehalten werden, wodurch diese Berichte eine tiefe Resonanz finden. Die Situation beeinflusst die regionale Stabilität.
Wichtige Erkenntnisse:
- Die Familie und der Anwalt von Marwan Barghouti behaupten, er sei im letzten Monat mehrfach von israelischen Gefängniswärtern körperlich angegriffen worden.
- Der israelische Gefängnisdienst bestreitet diese spezifischen Anschuldigungen und bezeichnet sie als „falsch und unbegründet“.
- Diese Behauptungen kommen inmitten umfassenderer Berichte über zunehmende Misshandlungen und Todesfälle unter palästinensischen Gefangenen seit Oktober 2023 auf.
- Barghouti bleibt ein äußerst populärer palästinensischer Führer, den viele mit Nelson Mandela vergleichen. Mit Blick auf die Zukunft wird die internationale Gemeinschaft die Reaktion des IPS auf diese Behauptungen wahrscheinlich genau prüfen. Menschenrechtsorganisationen werden die Haftbedingungen weiterhin überwachen.
Weitere Berichte über Misshandlungen oder mangelnde medizinische Versorgung für Barghouti könnten den diplomatischen Druck verstärken. Beobachter werden auf mögliche unabhängige Untersuchungen des Verhaltens des Gefängnisdienstes achten. Die Situation könnte auch die internen palästinensischen politischen Dynamiken beeinflussen, insbesondere angesichts Barghoutis anhaltender Popularität.
Sein Gesundheits- und Rechtsstatus wird für viele ein Schwerpunkt bleiben.
Wichtige Erkenntnisse
— - Die Familie und der Anwalt von Marwan Barghouti behaupten, er sei im letzten Monat mehrfach von israelischen Gefängniswärtern körperlich angegriffen worden.
— - Der israelische Gefängnisdienst bestreitet diese spezifischen Anschuldigungen und bezeichnet sie als „falsch und unbegründet“.
— - Diese Behauptungen kommen inmitten umfassenderer Berichte über zunehmende Misshandlungen und Todesfälle unter palästinensischen Gefangenen seit Oktober 2023 auf.
— - Barghouti bleibt ein äußerst populärer palästinensischer Führer, den viele mit Nelson Mandela vergleichen.
Quelle: BBC News
